Vergessene Komponisten der Vergangenheit
Titel:Vergessene Komponisten der Vergangenheit - http://www.fuer-die-ohren.at
Beschreibung:Die Website stellt heute der Allgemeinheit weitgehend unbekannte Komponisten der Vergangenheit vor. Ihre Namen sind selbst vielen musikinteressierten Leuten nicht geläufig; Werke von ihnen werden selten aufgeführt und CD-Einspielungen ihrer Kompositionen sind rar. Warum diese Komponisten vergessen sind, ist eine interessante Frage, deren plausible Beantwortung noch aussteht. Liszt, Brahms oder Chopin sind selbst musikuninteressierten Leuten wenigstens vom Namen her bekannt; aber wer ist beispielsweise Alkan, Spohr oder Joachim? Sie sind aus dem heutigen Konzertleben verschwunden; lediglich eine Tonschöpfung des letztgenannten ist gelegentlich zu hören, nämlich wenn das Violinkonzert von Johannes Brahms aufgeführt wird. Die Kadenz dieses Konzertes ist in der Regel von Joseph Joachim, dem Brahms das Konzert gewidmet hat.
Folgende Komponisten werden in einführenden Texte kurz vorgestellt und Hörempfehlungen zu CD-Einspielungen ihrer Werke gegeben:
Charles Valentin Alkan (30.11.1813 Paris - 29.3.1888 Paris) – französischer Pianist, Organist und Komponist. Als ausübender Musiker in Reihe der großen Virtuoseren des 19. Jahrhunderts wie Liszt, Chopin, Kalkbrenner und andere. Vor allen Dingen wurde als Schubert- und Beethoven-Interpret geschätzt. Eigene Werke spielte er nur selten. Diese sind originell und exzentrisch. Er scheute sich nicht, Stile vergangener Epochen zu imitieren. Meistens versah er diese Stilkopien jedoch mit einer außergewöhnlichen, „stilunechten“ Harmonik. Besondere Liebe Alkans war das Pedalklavier, ein an die Orgel angelehntes Instrument. Er schuf Kompositionen dafür und beabsichtigte, einen Lehrstuhl für dieses Instrument einzurichten, der aber nicht realisiert wurde. Sein Geld stiftete er für einen jährlich stattfindenden Wettbewerb für Pedalklavier.
CDs mit den Werken Alkans sind rar. Sehr bedauerlich ist, dass eine Einpielung der Preludes von dem berühmten finnischen Pianisten Olli Mustonen nicht mehr im Handel erhältlich ist. Diese ist äußerst hörenswert. Nr. 8 beispielweise ist klanglich äußerst subtil interpretiert; das vorletzte Prelude rasend schnell; trotzdem vollbringt Mustonen hier das Kunststück, noch zwischen die rasend schnell gespielten Töne eine kleine Lücke zu bringen (so genanntes leggierio). Die CD ist nur noch gebraucht erhältlich; bei amazon wurde sie schon für über 40 Euro angeboten.
Tekla Badarzewska-Baranowska - polnische Komponistin (1834 Warschau - 29.9.1861 Warschau). Wenig bekannt ist über ihr Leben: Tochter eines Polizeikommissars, Mutter von 5 Kindern. Möglicherweise war sie eine professionelle Pianistin.
Als Komponistin ist sie heute nur als Schöpferin eines einzigen Klavierstücks bekannt: „Das Gebet einer Jungfrau“. Das Stück ist musikalischen und pianistisch recht einfach. Seine emotionale Färbung und die Tatsache, dass es auch mit wenig pianistischen Fähigkeiten ausführbar ist, brachten ihm im 19.Jahrhundert eine große Popularität. An diesen Erfolg versuchte Badarzewska-Baranowska anzuknüpfen, indem sie im gleichen Stile weitere Kompositionen verfasste, die sich auch im Titel ähnelten: „Das erhörte Gebet“, „Süße Träumerei“ und andere. Derselbe Erfolg war ihr damit aber nicht beschieden. In ihrer Art, sich als Komponistin zu betätigen war sie so etwas wie eine frühe Hitschreiberin, die versucht, dem Geschmack und den Bedürfnissen der Masse Genüge zu tun und damit möglichst viele Notenexemplare zu verkaufen.
John Field (26.7.1782 Dublin – 23.1.1837 Moskau) – Komponist und Pianist irischer Herkunft. Field wurde von Clementi gefördert, der ihn auch nach Sankt Petersburg brachte, wo Field viele Jahre lebte. Als Komponist schuf er fast ausschließlich Werke, in denen das Klavier beteiligt ist. Er ist der Erfinder des Nocturnes, das Chopin später aufgriff. Auch Einflüsse auf Brahms und Schumann sind nachweisbar. Als Pianist ist er durch seine Art, zu spielen der Vater der berühmten russischen Klavierschule geworden, die - neben aller Brillanz – versucht, den menschlichen Gesang auf dem Klavier nachzuahmen.
So etwas wie ein Nationalkomponist ist in Dänemark Niels Wilhelm Gade (22.2.1817 Kopenhagen - 21.12.1890 Kopenhagen). Außerhalb Dänemarks ist er jedoch kaum bekannt. Aber der Tatsache, das er in seinem Heimatland großer Beliebtheit erfreut ist es geschuldet, das auf dem CD-Markt doch zahlreiche Einspielungen seiner Werke verfügbar sind. Zunächst als Schöpfer national gefärbter Kompositionen tätig, geht er 1843 nach Leipzig und verändert seinen Stil - beeinflusst von Schumann und Mendelsohn - in einen akademischeren, was ihm die dänische Rezeption oft vorwarf. Seine späteren Werke sind geprägt durch formale Ausgeglichenheit und die Vermeidung von Konflikten gekennzeichnet. Großer Beliebtheit bei Chören erfreuen sich seine Chorwerke, die einen wohlklingenden Chorsatz haben, der auch von weniger geübten Chören zum Klingen gebracht werden kann.
Reinhold Morizewitsch Glier (andere Schreibweise: Gliere) (11.1. (30.12.) 1875 Kiew – 23.6.1956 Moskau) – Komponist und Dirigent. Sohn eines deutschen Instrumentenbauers. Studium der Geige und Komposition in Moskau, Abschluss mit der Goldmedaille; Dirigierstudium in Berlin. Unter anderem als Lehrer des elfjährigen Prokofjew tätig. Von 1938 – 48 als Vorsitzender des Organisationskomitee des Sowjetischen Komponistenverbandes tätig. Als Komponist stellte er sich zu Beginn bewusst in die nationalrussische Tradition. Seine erste Sinfonie wurde früh im Ausland bekannt durch den Einsatz des Dirigenten Stokowski, der eine selbsterstellt, um die Hälfte gekürzte Fassung aufführte. Die Sinfonie wurde durch Instrumentation und Ausrichtung an einem Programm mit Richard Strauss verglichen. Glier erhielt zahlreiche staatliche sowjetische Auszeichnungen.
Joseph Joachim –(28.6.1831 Kitsee (Burgenland/ Österreich) - 15.8.1907 Berlin) – Komponist und Violinist. In Österreich geboren, erhielt er seine Ausbildung in Pest und Leipzig. Als Violinist erlangte er Berühmtheit als Interpret des zur damaligen Zeit noch als kaum spielbar gehaltenem Beethoven-Violinkonzert. Aber vor allen Dingen war es die Kammermusik, für die er sich einsetzte und deren Aufführungen vorbildhaft wurden. Er sah sich dabei immer als ein Musiker, der dem musikalischem Werk zu dienen hat und bildete damit einen Gegentypus zum Teufelsgeiger Paganini. Des Weiteren gilt er als bedeutendster Interpret der Werke Johannes Brahms’, mit dem er befreundet war, deren Freundschaft aber mit der Trennung Joachims von seiner Frau zerbrach. Aber auch nach dem Zerbrechen der Freundschaft uraufführt er weiter Werke von Brahms und setzt ihn auch in England durch. Was wäre England ohne die Musik Brahms; was ein Kriminalroman von Agatha Christie ohne die darin vorkommende Musik von Brahms? Joachims eigene Kompositionen sind meist düster- melancholischem Charakters. Seine beiden Violinkonzerte zeugen durch ihren enormen Schwierigkeitsgrad von den geigerischen Fähigkeiten ihres Schöpfers.
Edouard Lalo (27.1.1823 Lille – 22.4.1892 Paris) ist aus einer alten Offiziersfamilie. Gegen den des Vaters Willen entschied er sich für eine Laufbahn als Musiker und nicht als Offizier. Seinem selbstkritischem Charakterzug folgend, feilte er lange an den eigenen Kompositionen und bevorzugte dabei das Charakterstück. Zunächst verwendet er die klassische Harmonik; ab 1870 finden nordische, spanische und russische volkstümliche Elemente Eingang in seinen Stil. Außerdem verwendet er gelegentlich ausgefallene Skalen, die sich später bei Messian und Debussy wiederfinden.
Mili Balakirew, Nikolai Rimski-Korsakow, Alexander Borodin, Cesar Cui und Modest Mussorgski gehören zur Komponistengruppe des Mächtigen Häufleins (auch Novatoren, Gruppe der Fünf oder Balakirew-Kreis genannt). Die Gruppe unter der Führung von Balakirew hatte sich zum Ziel gesetzt, eine nationalrussische Musik zu schaffen. Balakirew hielt dazu seine Mitglieder an, auf eine herkömmliche musiktheoretische Ausbildung zu verzichten. Die Komponisten sollten keine Kompositionsübungen treiben, sondern sich gleich an den großen Formen versuchen.
Franz Xaver Wolfgang Mozart (26.7.1791 Wien – 29.7.1844 Karlsbad) ist der unbekannte Sohn seines berühmten Vaters Wolfgang Amadeus Mozart. Auch Franz Xaver Wolfgang Mozart war ein guter Pianist und Komponist. Als letzterer stand er jedoch im Schatten seines Vaters, mit dem er immer verglichen wurde. Zeitgenössische Quellen wie das Gedicht „Des Vaters Name war es eben, Was deiner Tatkraft Keim zerstört“ von Franz Grillpatzer zeugen davon.
Julius Reubke (23.3.1834 Hausneindorf bei Quedlinburg - 3.6.1858 Pillnitz bei Dresden) ist sehr jung verstorben. Er hinterließ dementsprechend sehr wenige Werke. Im wesentlichen sind nur eine Orgelsonate und eine Klaviersonate, die sogenannte Reubke-Sonate, von ihm bekannt.
Giacomo Meyerbeer (5.9.1791 Tasdorf - 2.5.1864 Paris) war ein Verehrer Mozarts. Auf dem Gebiet der Oper feierte er im Paris der 1830iger und 40iger Jahre große Erfolge. Nicht zu unterschätzen ist sein Einfluss auf Verdi.
Julius Röntgen (9.5.1855 Leipzig – 13.9.1932) orientierte sich in seinen frühen Werken an Schumann und Brahms, später dann Debussy und Reger. Auch nahm er volksmusikalische Elemente verschiedner Länder wie Norwegen und die Niederlande in seinen Werken auf.
Um Antonio Salieri (18.8.1750 Legnago (Verona) – 7.5.1825 Wien) rankt sich die Legende, er habe seinen Konkurrenten W.A.Mozart umgebracht, für die es aber wissenschaftliche keine Anhaltspunkte gibt.
Louis Spohr (Braunschweig, 5.4.1784 – Kassel, 22.10.1859) galt bei seinen Zeitgenossen als Fachautorität ersten Ranges und bedeutenster Geiger neben, nicht nach, Paganini.
Carl Stamitz (8.5.1745 Mannheim - 9.11.1801 Jena) zählt zu den Vertretern der Mannheimer Schule, die für die spätere Wiener Klassik bedeutende musikalische Neuerungen entwickte.

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