 | Kerzen und Geschenke fuer jeden Anlass - http://www.roesler-kerzen.de Die Qualitätskerze
Keywords: Kerzen, Qualitätsanforderungen, Verbrennungsprodukte
Zusammenfassung
Der vorliegende Artikel beschreibt die für die Kerzenherstellung verwendeten Roh- und Zusatzstoffe und erläutert den Verbrennungsvorgang in der Kerzenflamme. Ausgehend von der Definition und Klassifizierung von Kerzen werden die Kriterien dargelegt, die für einen sicheren und in Bezug auf Mensch und Umwelt unbedenklichen Umgang mit Kerzen entscheidend sind. Daraus abgeleitet werden Aufbau und Inhalt einer notwendigen europäischen Qualitätsnorm für Kerzen.
1 Einleitung
Kerzen begleiten die Menschheit seit über 2.000 Jahren. Neben ihrer liturgischen Bedeutung dienten sie vor allem als Lichtquelle und stellten in ihrer frühen Entwicklungsgeschichte die bessere Alternative zum Kienspan - der Span von stark verharztem Kiefernholz -dar.
Eng verbunden mit der über 2.000-jährligen Entwicklungsgeschichte der Kerze ist auch das Bemühen, ihre Qualität zu verbessern. Etwa Mitte des 2. Jh. n. Chr. waren bei den Römern Bienenwachskerzen so weit entwickelt, dass sie in einem geschlossenen Raum ohne lästiges, übermäßiges Rußen brennen konnten. Bienenwachskerzen zeigten deutliche Vorteile gegenüber Talg- und Unschlittkerzen. Letztere hatten einen ranzigen Geruch und qualmten und rußten beim Abbrand.
Es dauerte letztlich bis Mitte des 19. Jahrhunderts, bis mit Stearin und Paraffin neben Bienenwachs weitere qualitativ hochwertige Rohstoffe für die Kerzenherstellung bereitstanden. In den gleichen Zeitraum fallen entscheidende Verbesserungen des Dochtes, insbesondere dessen Flechtung und chemische Präparation. Damit waren weitere Voraussetzungen für gut brennende Kerzen geschaffen und Goethes Wunschtraum »wüsste nicht, was sie besseres erfinden könnten, als dass die Lichter ohne Butzen brennen« in Erfüllung gegangen [1].
Der Mythos der Kerze wirkt bis in unsere heutige Zeit, obwohl uns seit der Erfindung und Einführung des elektrischen Lichts eine große Vielfalt unterschiedlichster Beleuchtungskörper zur Verfügung steht. Trotzdem sind gerade in unserer Zeit die festlich gedeckte Tafel, die gemütliche Kaffeerunde und die romantisch-stimmungsvollen Stunden oft mit dem Licht einer Kerze verbunden (Abb. 1). Voraussetzung zum Genießen dieser Stunden ist eine* gut und ohne Rußabgabe brennende Kerze. Rußen und Tropfen sind entscheidende Qualitätskriterien des Verbrauchers zur Beurteilung einer Kerze.
Abb. 1: Stimmungsvolle Atmosphäre bei Kerzenschein (Foto: Agentur Grimm)
Darüber hinaus wird in unserer heutigen, vom Umweltbewusstsein geprägten Zeit natürlich auch das Produkt Kerze in die Diskussion um die Belastung von Mensch und Natur durch mögliche Schadstoffe einbezogen. Der Verbraucher von heute hat ein Recht auf qualitativ hochwertige Produkte, deren Verwendung kein Risiko für Mensch und Umwelt darstellt.
In der Vergangenheit und Gegenwart geführte Diskussionen über mögliche Schadstoffe in den eingesetzten Kerzenmaterialien sowie über sich bildende, gesundheitsgefährdende Emissionen beim Kerzenabbrand haben teilweise zu einer Verunsicherung der Verbraucher geführt. Nationale und internationale Kerzenverbände haben deshalb zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen an renommierte, unabhängige Umweltinstitute in Auftrag gegeben, in deren Ergebnis die Unbedenklichkeit qualitativ hochwertiger Kerzen bestätigt wurde [2,3,4,5].
Handwerkliche Tradition, Ausbildung und Weitergabe der Erfahrungen garantieren die Herstellung qualitativ hochwertiger Kerzen in Kerzenfachbetrieben.
Auch bei der industriellen Kerzenherstellung wird die Qualität der Kerzen fachkundig geprüft und ständig überwacht. So hat der Verband Deutscher Kerzenhersteller e.V. Normen für die Qualität von Kerzen sowie die eingesetzten Roh- und Hilfsstoffe festgelegt und die gestellten Anforderungen im RAL-Gütezeichen Kerze zusammen-gefasst [6]. Qualitätsnormen gewinnen nicht nur in Deutschland, sondern auch im europäischen Ausland zunehmend an Bedeutung. Sichtbarer Ausdruck geprüfter Qualität ist das Gütezeichen Kerzen
KERZEN
RAL : Gütezeichen
Abb. 2: RAL-Gütezeichen
2 Roh- und Zusatzstoffe der Kerzenherstellung
2.1 Rohstoffe
Kerzen bestehen aus einem oder mehreren Dochten und sind von einer festen Brennmasse - dem Wachs - umgeben, ein Sammelbegriff für verschiedene Produkte mineralischen, tierischen oder pflanzlichen Ursprungs, welche eine Reihe gemeinsamer physikalischer Eigenschaften besitzen (Abb. 3).
Betrachten wir die heutige Kerzenherstellung, so werden im Wesentlichen Paraffin, Stearin und Bienenwachs als Brennmasse eingesetzt. Darüber hinaus finden gehärtete Pflanzenöle, feste Pflanzenfette und Fette tierischen Ursprungs in Stundenbrennern, öllichten und Kompositionsöllichten Verwendung. Unter den Begriffen »natürlich« und »nachwachsend« werden gehärtete Fette heute in zunehmendem Maße für die Kerzenherstellung eingesetzt. Preis und Verfügbarkeit der Rohstoffe, ihre Verarbeitbarkeit auf den bestehenden Kerzenmaschinen sowie die Beeinflussung der Produkt- und Gebrauchseigenschaften (z.B. Abbrand) entscheiden letztlich über ihren Einsatz in der modernen Kerzenproduktion.
7% 4% 2%
85 %
Abb. 4: Anteil Kerzenrohstoffe
2.1.1 Paraffin
Paraffinwachs ist ein komplex zusammengesetztes Gemisch von bei Raumtemperatur festen Kohlenwasserstoffen wachsartiger Konsistenz. Wir unterscheiden dabei zwischen geradkettigen, verzweigten und alkylsubstituierten, cyclischen Kohlenwasserstoffen. Neben der Gewinnung aus Erdöl können Paraffine auch synthetisch durch die Fischer-Tropsch-Synthese hergestellt werden. Die für die heutige Kerzenproduktion eingesetzten Paraffine werden überwiegend aus dem fossilen Rohstoff Erdöl gewonnen.
Bei der Destillation der Rohöle werden - entsprechend ihrer unterschiedlichen Siedepunkte - verschiedene Destillationsfraktionen herausgetrennt, aus denen die Paraffingatsche gewonnen werden. Mit Hilfe aufwändiger nachgeschalteter Verfahrensstufen Filtration, Entölung, Hydroraffination erfolgt ihre Aufarbeitung zu hochreinen Paraffinen. Diese ausraffinierten Paraffine unterliegen einer ständigen Qualitätskontrolle und sind aus toxikologischer Sicht unbedenklich. Ihre umweltverträglichen Eigenschaften sind charakterisiert durch biologische Abbaubarkeit sowie fehlende ökotoxische und akkumulierende Eigenschaften. Die Erstarrungspunkte der für die Kerzenherstellung gebräuchlichen Paraffine liegen zwischen 45°C und 70°C. Weitere wichtige Unterscheidungskriterien sind Härte, 01-gehalt und Viskosität. Aufgrund ihrer chemisch-physikalischen Eigenschaften sind Paraffine für alle Kerzenherstellungsverfahren geeignet.
In enger Zusammenarbeit zwischen Wachszieher und Paraffinproduzent können durch Rohstoffauswahl und Steuerung der Anlagen die für den jeweiligen Anwendungsfall - Kerzentyp und Herstellungsverfahren - geeigneten Paraffine hergestellt werden.
2.7.2 Bienenwachs
Bienenwachs als ältester Kerzenrohstoff ist ein Stoffwechselprodukt der Honigbiene. Das Wachs wird an der Bauchseite der 'Baubienen' ausgeschieden und zum Wabenbau eingesetzt. Die Farbe und den angenehmen Geruch bekommt das Bienenwachs im Laufe der Zeit durch Kontakt mit Honig und Pollen. Naturgemäß steht dieser Rohstoff nur begrenzt zur Verfügung. Bienenwachs besteht aus einem Gemisch von
Estern langkettiger Wachsalkohle 70%
hole (C24/C44) mit Säuren
C16/C18)
Kohlenwasserstoffen 13-18%
(C25-C35)
freien Wachssäuren 10-15%
(C24-C32)
freien Wachsalkoholen 1 %
(C34-C36)
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